1933-1934
Widerstand und NS-Opfer in Schwalingen
... strafende Rache gegen jeden zu anzuwenden, der es wagte, sich der "Bewegung" in den
Weg zu stellen oder ihr nicht freudig nach Kräften zu dienen.
Vielen Menschen im Deutschen Reich kam es offenbar gelegen, wenn die drückende,
drängende NS-Propanda verkündete, dass man als "blutreiner" Deutscher einem
"Herrenvolk" angehöre. Auch eher skeptischen Menschen gelang es, sich der "neuen Zeit",
der NS-Ideologie anzupassen, irgendwie. Andere verweigerten sich passiv oder gar aktiv. Sie
wurden Opfer, teils mit brutaler Gewalt, des NS-Regimes und seiner Unrechtsjustiz.
Ich will kein Erbhofbauer sein
Aus dem "Reichserbhof-Gesetz" 1933:
"Die hohen Aufgaben des Bauerntums, Blutquelle unseres völkischen Lebens und Treuhänder
seines Geschlechts zu sein, deutsche Ehre und Sitte zu verkörpern und hochzuhalten und unser
Volk in seinem engen Raum zu ernähren, setzen gewisse persönliche Eigenschaften und
Fähigkeiten voraus. Nur wer sie erfüllt, ist bauernfähig, kann also Erbhofbauer werden und sich
"Bauer" nennen. Andere Eigentümer von land- oder forstwirtschaftlich genutztem Grundbesitz
sind "Landwirte"...".
Der politische Grundgedanke des Reichserbhofgesetzes folgt dem im Hannover'schen
althergebrachten Anerbenrecht und findet deshalb auch in Schwalingen zunächst weite
Anerkennung auf den Höfen.
26 Schwalinger Höfe sind 1934 "in Ausführung der Vorschriften des Reichserbhofgesetzes"
für die Eintragung in die Erbhöferolle des Dorfes vorgesehen. 20 Hofbesitzer beantragen
nun die "Erbhofzulassung". Ihre Höfe werden als Erbhöfe anerkannt und sie dürfen sich
zukünftig "Bauer" nennen. Fortan genießen sie den Schutz und die Förderung durch das NS-
Reichserbhofgesetz. Allerdings stimmen sie damit auch der verstärkten Überwachung ihres
Lebens und Wirtschaftens auf ihrem Hof durch den NS-Staat zu.
5 weitere Höfe erfüllen nicht die Voraussetzungen für eine Anerkennung als Erbhof und 1
Hofbesitzer im Dorf hat ganz eigene Vorstellungen:
Der "Bargmeyer"-Hof ist die Nr. 26 im Verzeichnis der vorgesehenen Erbhöfe in Schwalingen.
Anbauer Heinrich Meyer weigert sich, seinen Hof als Erbhof einzustufen zu lassen. Er legt
Einspruch beim Anerbengericht des Amtsgerichts Soltau ein:
"Auf die Zuschrift des Amtsgericht Soltau betreffs Einreihung meiner Anbauerstelle in die Rolle der
Erbhöfe teile ich Ihnen hierdurch mit, dass meine Anbauerstelle keine selbstständige Ackernahrung
darstellt, und ich zu 50% auf Lohnfuhrwerk angewiesen bin ... ich bitte Sie, ... meine Anbauerstelle
nicht in die Rolle der Erbhöfe einzutragen."
Nach Prüfung durch den Kreisbauernführer schließt sich das Anerbengericht dessen
Beurteilung des Hofes von Heinrich Meyer in Schwalingen an und stellt abschließend fest,
dass der Hof nicht erbhoffähig ist. Ganz so, wie es sich Heinrich Meyer gewünscht hat.
Erbhöfe in Schwalingen ab 1934:
Vollhof "Schnier"
Vollhof "Kain"
Halbhof "Greben"
Halbhof "Cohrs"
Halbhof "Reuer"
Halbhof "Schwieten"
Halbhof "Tieten"
Halbhof "Hinz"
Halbhof "Tönners"
Halbhof "Schmeers"
Halbhof "Born"
Brinkköthner "Menken"
Neubauer "Schoster"
Neubauer "Neebuur"
Neubauer "Harm-Steinke"
Neubauer "Hansen"
Anbauer "Brook"
Anbauer "Kamp"
Anbauer "Wehrhoff"
Anbauer "Schün"
Heinrich Meyer (1877-1960) kommt im Jahr 1877 im Häuslingshaushalt seiner Eltern in
Brochdorf zur Welt. Sein Vater ist in Ebbingen bei Walsrode gebürtig, seine Mutter
stammt aus Brochdorf.
1902 heiratet Heinrich Meyer Marie Stöckmann aus Kroge bei Fallingbostel.
1903 kommt Heinrich Meyer als Landarbeiter und Pächter mit seiner Familie nach
Schwalingen, wo sein älterer Bruder seit 1891 verheiratet ist und eine Anbauerstelle
besitzt. Er ergreift die Gelegenheit, sich selbstständig zu machen, als 1906 der Vollhof
"Schnier" zersplittert wird. Heinrich Meyer ersteigert einige Grundstücke und gründet
noch im selben Jahr die Anbauerstelle "Bargmeyer". Mit 37 Jahren wird er 1914 als
Landsturmmann zum Kriegsdienst befohlen wird.
Zwischen den Kriegen verbessert Heinrich Meyer sein Einkommen aus der
Landwirtschaft seines Hofes durch Lohnfuhren. Nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges übergibt Heinrich Meyer seine Anbauerstelle seinem Sohn Karl Meyer.
Mit 82 Jahren stirbt Heinrich Meyer 1960 in Schwalingen.
1935-1944
Ich will kein Soldat sein
Seit 1935 gilt wieder die Allgemeine Wehrpflicht im Deutschen Reich. Sie wird im Rahmen
der verdeckt beginnenden Kriegsvorbereitungen eingeführt. Kurz vor Beginn des Zweiten
Weltkrieges setzen NS-Führer und Wehrmacht im August 1939 die "Verordnung über das
Sonderstrafrecht im Kriege und bei besonderem Einsatz" in Kraft, KSSVO.
Neben weiteren Sondertatbeständen regelt die KKSVO auch die strafbare "Zersetzung der
Wehrkraft":
"Wegen Zersetzung der Wehrkraft wird mit dem Tode bestraft:
... wer es unternimmt, sich oder einen anderen durch Selbstverstümmelung... der Erfüllung des
Wehrdienstes ganz, teilweise oder zeitweise zu entziehen.
In minder schweren Fällen kann auf Zuchthaus oder Gefängnis erkannt werden.
Neben der Todes- und der Zuchthausstrafe ist die Einziehung des Vermögens zulässig."
Zuständig für die Verurteilung von Beschuldigten im Sinne der KSSVO waren
Sondergerichte. Sie fällten ihre Urteile in „beschleunigten Verfahren.“ Berufungs- oder
Revisionsinstanz waren nicht vorgesehen. Der Angeklagte konnte nicht sicher sein, einen
Verteidiger zu erhalten.
Richard Steinke (1920-2108) erinnert sich:
" Friedrich Lünzmann, den hab' ich gut gekannt. "Peter-Fiddie" haben wir ihn genannt. Er hat hier
bei uns auf dem Hof viel mitgeholfen zu meiner Kinder- und Jugendzeit, im Tagelohn. Beim Bau des
neuen Schweinestalls hat er die Jauchegrube mit ausgeschaufelt und so, das war Mitte der 1930er
Jahre.
"Peter-Fiddie" hatte viel Angst vor dem Soldatwerden gehabt, so viel Angst immer. "Mir ist das ganz
egal, ob Franzosen, Engländer oder Russen, wenn ich man bloß nicht Soldat werden muss," sagte er
immer. Dann kam seine Einberufung Anfang der 1940er Jahre, er musste Soldat werden. Da hat er
sich durch die linke Hand geschossen. Damit er nicht an die Front muss, meinte er wohl. Das war
sein Untergang.
Er wurde verurteilt und kam ins Moor zum Arbeiten, da in Ostfriesland. Da haben sie ihn dann zu
Tode gequält mit den anderen da - ganz gruselig ist das, mehr als schrecklich. Die Nazis kannten
kein Pardon, ne."
Friedrich Lünzmann "Peter-Fiddie", wird 1906 in Schwalingen auf der Anbauerstelle
"Peter-Hus" geboren. Sein Vater Hinrich Christoph Lünzmann kam auf die
Anbauerstelle "Peter-Hus" durch Heirat der Erbin Anna Sophie Schlumbohm. Er ist
der Halbbruder des Schwalinger Halbhöfners "Born", Hinrich Friedrich Lünzmann.
Im März 1941 heiratet "Peter-Fiddie" Mariechen Wittenberg aus Obereinzingen im
Kreis Fallingbostel. Die Ehe bleibt kinderlos.
Wenige Monate später überfallt die deutsche Wehrmacht. "Peter-Fiddie" erhält
seinen Gestellungsbefehl. Er versucht verzweifelt, sich durch einen Schuss in die
linke Hand dem Kriegsdienst an der Front zu entziehen. Wenig später ist er wegen
"Zersetzung der Wehrkraft" zu einer Zuchthausstrafe verurteilt.
Es ist anzunehmen, dass Friedrich Lünzmann in eines der sogenannten
"Emslandlager" kam. Sie werden seit Kriegsbeginn 1939 auch von Sondergerichten
zur Unterbringung verurteilter Wehrmachtsangehörige genutzt. Die Gefangenen, die
sich selbst „Moorsoldaten“ nannten, wurden bei der Kultivierung der emsländischen
Moore zur Zwangsarbeit eingesetzt. Die Lager sind wegen ihrer schlechten
Lebensbedingungen berüchtigt: Die Gefangenen litten unter hygienischer
Vernachlässigung, Kälte, mangelhafter Ernährung, Ausbeutung ihrer Arbeitskraft und
unter körperlich-seelischen Misshandlungen durch die Wachmannschaften.
Friedrich Lünzmann stirbt 3 Jahre nach seiner Verurteilung 1944 im
Zuchthauslazerett Celle.
1950 verheiratet sich die Witwe Mariechen Lünzmann geb. Wittenberg in 2. Ehe
nach Siek, Im selben Jahr wird die Anbauerstelle "Peter-Hus" von der
Erbengemeinschaft Lünzmann dem in Westpreußen gebürtigen Schneider Franz
Otto verkauft. Er ist seit 1947 mit der ältesten Tochter von Friedrich Gebers, Anbauer
"Harm" in Schwalingen. verheiratet, Liesbeth Gebers.
1939-1948
Schwarzschlachten - trotz Lebensgefahr
Mit dem Inkrafttreten der Kriegswirtschaftsverordnung gleich zu Beginn des Zweiten
Weltkrieges im September 1939 schränkt das NS-Regime die Selbstbestimmung und
Lebensgewohnheite den Bauern der Dörfer empfindlich ein:
"Die Sicherung der Grenzen unseres Vaterlandes erfordert höchste Opfer von jedem deutschen
Volksgenossen. Der Soldat schützt mit der Waffe unter Einsatz seines Lebens die Heimat.
Angesichts der Größe dieses Einsatzes ist es selbstverständlich Pflicht jedes Volksgenossen in
der Heimat, alle seine Kräfte und Mittel Volk und Reich zur Verfügung zu stellen und dadurch die
Fortführung eines geregelten Wirtschaftslebens zu gewährleisten. Dazu gehört vor allem auch,
daß jeder Volksgenosse sich die notwendigen Einschränkungen in der Lebensführung und
Lebenshaltung auferlegt.".
Für "Kriegsschädliches Verhalten" wurden von nun an schwere Strafen angedroht:
"Wer Rohstoffe oder Erzeugnisse, die zum lebenswichtigen Bedarf der Bevölkerung gehören,
vernichtet, beiseite schafft oder zurückhält und dadurch böswillig die Deckung dieses Bedarfs
gefährdet, wird mit Zuchthaus oder Gefängnis bestraft. In besonders schweren Fällen kann auf
Todesstrafe erkannt werden."
Für die Bauern war es seit Urzeiten eine grundlegende Selbstverständlichkeit, jederzeit frei
und unbeschränkt über ihre Erzeugnisse verfügen zu können. Nun billigten die NS-
Bewirtschaftungsvorschriften ihren Familien nur noch eine wöchentliche Ration an Fleisch
und Schlachtfett von 1060 Gramm pro Person zu. Alles andere war abzuliefern. Es musste
also getan werden, was getan werden musste, um die Arbeitskraft des Hofes aufrecht zu
erhalten, um die den Höfen in den NS-"Erzeugungsschlachten" auferlegten drückenden
Ablieferungsmengen an Produkten überhaupt erzeugen zu können.
Schwarzgeschlachtet wird von fast jedermann in jedem Dorf, ob Erbhofbauer oder nicht.
Obwohl man es vor den Nachbarn geheimzuhalten versucht, weiß oder vermutet es doch
jeder von jedem. Schwarzschlachten war eine unbedeutende Sünde, bei der man sich nur
nicht erwischen lassen durfte. Aber diese Sünde wurde bisher, wenn sie überhaupt aufflog,
als Steuervergehen bestraft. Nun ist es ein Verbrechen - eine heikle Situation für die
Dorfgemeinschaft und jeden Einzelnen.
Trotz strenger Überwachung steigt die Zahl der festgestellten und bestraften Schwarz-
schlachtungen im Deutschen Reich weiter stark an. Schließlich übernimmt 1942 das
Reichssicherheitshauptamt, die Gestapo die zentrale Bearbeitung aller Verstöße gegen die
NS-Kriegswirtschaftsbestimmungen. Wirtschaftssaboteure werden nun als Volks- und
Staatsfeinde betrachtet und entsprechend behandelt. Entsprechend verschärfen sich die
Gerichtsurteile gegen überführte Täter.
August Eggers kommt 1889 in Brochdorf zur Welt. Mit 4 Jahren zieht er mit seinen
Eltern nach Schwalingen, als sein Vater 1893 die Anbauerstelle "Nelsen" pachtet. Er
besucht die Volksschule in Schwalingen. Anschließend erlernt er das
Schlachterhandwerk.
Im Juli 1913 heiratet August Eggers Emma Ida Brandes aus Wittorf bei
Visselhövede. Ihr Sohn Ernst Eggers wird im September 1913 in Wittorf geboren.
Den Ersten Weltkrieg überlebt August Eggers unversehrt. 1919 gründet er eine
eigene Hofstelle in Schwalingen, Anbauer "Johann". Inzwischen hat er die
Meisterprüfung im Schlachterhandwerk abgelegt. Er ist als Hausschlachter auf den
Höfen im Dorf und der Umgebung unterwegs. Seine Ehefrau erkrankt und stirbt
nach "langem Siechtum" im November 1935.
Auch nach Beginn des Zweiten Weltkrieges ist August Eggers weiterhin als
Hausschlachter in Schwalingen und Umgebung tätig. Offenbar hilft er auf den
Höfen auch bei den verborgenen Schwarzschlachtungen. 1943, als die Versorgungslage
an der Front und in der Heimat sich dramatisch verschlechtert, zeigt ihn einer seiner
Volksgenossen dafür bei den NS-Behörden an.
Ende 1943 wird August Eggers nach Kriegssonderstrafrecht auf der Grundlage der
Kriegswirtschaftsverordnung wegen "kriegsschädlichem Verhalten" zu einer
Zuchthausstrafe verurteilt. Er kommt in das Zuchthaus Hameln, wo er schon bald
darauf, im Februar 1944 im Zuchthaus-Lazarett stirbt. Er wurde 54 Jahre alt.
Sohn Ernst Eggers wird, wie sein Vater, Schlachter in Schalingen. Im Zweiten
Weltkrieg ist er Soldat der Wehrmacht. 1945 heiratet er Else Röhrs, sie ist in Ilhorn
gebürtig. Ihr Vater stammt aus Lieste, ihre Mutter, geborene Brockmann, aus
Vahlzen.
1939-1948
Schwarzschlachten - trotz Lebensgefahr
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bleibt in der britischen Besatzungszone und damit
auch in Schwalingen das NS-Kriegssonderstrafrecht bis 1948 in Kraft, wenn auch nun mit
milderen Strafe bewehrt.
Richard Steinke (1920-2018) , Neubauer „Harm-Steinke“, erinnert sich:
"Unsere Scheune wurde 1847/48 gebaut. Das Holz stammt alles aus unserem Busch. Die Steine für
die Sockel aussen, sind auch alles unsere eigenen Findlinge. Das Kellerinnenmauerwerk ist aus
Mauersteinen aus Hamburg. Wir sind mit drei Mann nach Hamburg auf die Schutthalden von den
zerbombten Häusern gefahren. Tagelang haben wir Steine geputzt und aufgeschichtet. Dann
mussten wir noch einen Lastwagenkutscher finden, der uns die Steine dann nach Schwalingen
gebracht hat. Aber die Steine waren umsonst.
Die Scheune ist dann von der Zimmerei Böhling in Tewel gebaut worden. Da waren dann ja
allerhand Handwerker hier auf dem Hof dabei, die Scheune zu bauen. Und da musste ordentlich
'was auf den Tisch. Meine Schwester und ich haben dazu ein Schwein geschlachtet, schwarz
damals, also ohne Genehmigung vom Wirtschaftsamt. Und das kam irgendwie 'raus und plötzlich
waren da die Engländer. Meine Schwester und ich waren gerade beim Ackern auf unserem Feld auf
dem Neubauerskamp. Und da haben sie uns verhaftet, 5 Engländer und einer vom Wirtschaftsamt.
Sie haben uns in ihren Jeep verfrachtet und wir waren zwei Tage im Knast in Lüneburg. Wir waren
ja die Übeltäter. Unser Vater hat uns dann da ausgelöst. Er musste richtig Strafe bezahlen, oha. Und
dazu kam, dass er auch alles Material abgeben musste, das für den Bau der Scheune natürlich in
der Zeit damals auch so unter der Hand besorgt worden war. z.B. die ganze Dachpappe für das
Dach. So musste er zum Schluss alles doppelt bezahlen, ja.
Ich bin mir sicher, dass wir in der Sache angeschwärzt worden sind aus dem Dorf. Da war nämlich,
am anderen Ende vom Dorf, da waren große Vorbereitungen für eine Hochzeit im Gange. Und da
sollen dann die Engländer aufgetaucht sein, ganz plötzlich. Irgendjemand hat die dann abgelenkt
und andere haben alles beseitigt, was Probleme geben konnte. Schwarzschlachten tat ja wohl jeder
in der Zeit damals, ja. Und weil die Engländer misstrauisch blieben, mussten sie irgendwie aus dem
Haus raus. Da hat man denen wohl gesagt, dass bei uns gebaut wird und dass Geschäftsleute, also
Handwerker, immer sehr hungrig sind. Tja, und dann standen sie bei uns auf dem Hof und das
war's dann. So hab' ich das viel später dann in Andeutungen aufgeschnappt."
Richard Steine wird 1920 auf der Neubauerstelle "Harm-Steinke" in Schwalingen geboren.
Sein Vater Otto Steinke, in Timmerloh bei Soltau gebürtig, hatte den Hof 1912 erworben
und sich hier angesiedelt.
Richard Steinke erlernt bei seinem Vater die Landwirtschaft. Im Zweiten Weltkrieg wird er
1940 zur Wehrmacht eingezogen und ab 1941 an der Ostfront eingesetzt. Hier wird er im
Oktober 1941 schwer verwundet, was Lazarettaufenthalte bis Herbst 1943 zur Folge hat. Er
ist anschließend frontuntauglich. Von Herbst 1943 bis Februar 1945 wird Richard Steinke in
der Gefangenenbewachung in Grauen eingesetzt. Von März bis Mai 1945 dann doch wieder
Fronteinsatz in einem Brückenkopf bei Stettin. Es folgt britische Gefangenschaft bis Juni
1945 im Lager Eutin. Im Juni 1945 kehrt Richard Steinke nach Hause zurück.
1949 verheiratet sich Richard Steinke mit der im nachbarlichen Sprengel gebürtigen Elli
Warnke. Da sein älterer Bruder 1944 an der Ostfront gefallen ist, übernimmt Richard
Steinke die Neubauerstelle "Harm-Steinke" von seinem Vater und bewirtschaftet sie mit
seiner Familie bis in die 1980er Jahre.
1949 ist Richard Steinke Gründungsmitglied der Freiwiliigen Feuerwehr Schwalingen,
1955-1958 Ortsbrandmeister. 1968-1974 ist er von den Schwalinger Wählern in den Rat der
Gemeinde Schwalingen gewählt.
Richard Steinke stirbt mit 97 Jahren im Juni 2016 in Soltau.