Das Heidedorf Schwalingen in bewegtem Zeitgeschehen.
Die vielfachen und zeitlich oft nahe beinander liegenden grundlegenden
Veränderungen von Gesellschaft, Politik, Wirtschaft in Deutschland in den
einhundert Jahren zwischen 1850 und 1950 wirken, obwohl von außen bestimmt,
natürlich auch in die Heidedörfer unsere Gegend hinein und auf jedes einzelne
Mitglied der kleinen, überschaubaren Dorfgemeinschaft.
Hier zu bestehen, diese Zeitläufe zu überstehen und möglichst das Richtige für
die Zukunft von Hof und Familie zu entscheiden, war die schwierige und
andauernde Herausforderung in diesen Jahrzehnten des sich immer schneller
drehenden Wandels.
Wer für Hof und Familie das Beste erreichen wollte, musste sich von den
Verlockungen der Zeit freihalten, langfristig denken, eine innere Unabhängigkeit
und Eigenständigkeit bewahren, sich letztlich nur leisten, was auch bezahlt werden kann.
Diese Eigenschaften, ein gesunder Eigensinn und Argwohn, eine eher abwartende Haltung, sind
wohl immer typisch für die Menschen in den Heidedörfern unserer Gegend.
1850-1870
Krieg und Zeiten der Krisen
Die Menschen im Königreich Hannover erleben seit dem Ende der napoleonischen Kriege im
Jahre 1815 bis Mitte des 19.Jahrhunderts nahezu vierzig Jahre lang ununterbrochenen
Frieden. Obwohl sich gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Reformen im
Königreich nur langsam entwickeln, haben sich die Lebensbedingungen in diesen
friedlichen Jahrzehnten verbessert und damit einhergehend ist die Bevölkerung wieder
gewachsen.
In der großen Politik handeln die hannoverschen Regenten, Ernst August I. (1837-1851), dann
Georg V. (1851-1866), wenig erfolgreich. Im Deutschen Bund, dem auf dem Wiener Kongress
1815 gegründeten Zusammenschluss der deutschen Einzelstaaten zu einem Staatenbund,
isoliert sich das Königreich Hannover zunehmend durch seine geringe Neigung, ...
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1870-1900
Krieg und Zeiten des Wandels
Es sind gerade vier Jahre vergangen seit dem Krieg, in dem das Königreich Hannover
unterging und sein Land und die Bevölkerung preußisch wurden. Da erklärt am 19.Juli 1870
das Kaiserreich Frankreich dem Königreich Preußen den Krieg. Drei süddeutsche Staaten,
die 1866 noch gegen Preußen gekämpft hatten, stellen sich auf die preußische Seite.
Innerhalb weniger Wochen im Spätsommer 1870 werden die französischen Armeen besiegt
und Kaiser Napoléon III. gefangen genommen. Frankreich führt jedoch als Republik den
Krieg weiter und ist erst nach einer ausgedehnten ...
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1900-1950
Zeiten des Verfalls
Im Deutschen Kaiserreich wird überall der Anstieg von Macht und Ansehen
wahrgenommen. Er prägt das Alltagsleben in Stadt und Land: Kaiser Wilhelm II. strebt nach
„Weltgeltung“ für Deutschland. Im Innern schwankt Deutschland aber zwischen den
Extremen einer lebhaften Modernisierung und dem strikten Beharren auf längst
unzeitgemäßen Traditionen. Vor allem in Preußen, dem wirtschaftlich weit stärksten und
bevölkerungsreichsten Land im Kaiserreich, prallen der industrielle Fortschritt und
konservative ländliche Strukturen hart aufeinander ...
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Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
„Faust. Der Tragödie erster Teil“
1929-1945
Die Menschen hier im Dritten Reich
Als im Jahr 1929 die durch eine platzende Spekulationsblase in den Vereinigten Staaten von
Amerika ausgelöste weltweite Wirtschaftskrise auch über die deutsche Wirtschaft
hereinbricht, werden nur die mit Vor- und Umsicht geführten Höfe in unseren Dörfern von
den verheerenden Folgen weniger getroffen.
Die Landwirte in unserer Gegend, in ganz Niedersachsen und Schleswig-Holstein, erleben
eine Agrarkrise in existenzgefährdendem Ausmaß. Hoch verschuldete Höfe können ihren
Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern nicht mehr nachkommen. Die Folge ist eine
dramatisch ansteigende Anzahl von Zwangsversteigerungen, eine Bedrohung der sich
immer mehr Bauern in der Notlage hilflos ausgeliefert fühlen. Um sich in der Politik und
Öffentlichkeit für ihre Not Gehör zu verschaffen ...
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1929-1945
Schwalingen im Dritten Reich
Noch heute, mehr als 80 Jahre nach seinem Untergang, ist die Zeitgeschichte des Dritten
Reiches im Heidedorf Schwalingen weitgehend unbekannt. Zeitzeugen, die man befragen
könnte, leben nicht mehr oder haben durch ihren Geburtsjahrgang nur Erinnerungen aus
ihren Kindheits- und Jugendtagen.
Dokumente aus öffentlichen oder Familienarchiven könnten helfen, Einblicke in das
Geschehen im Dorf in dieser Zeit zu gewähren. Aber auch hier ist die Quellenlage spärlich:
Immer wieder ist in den Familien die Erinnerung zu hören, dass mit dem Zusammenbruch
des Dritten Reiches im Mai 1945 im Dorf die Furcht begründet oder unbegründet umging,
dass die anrückenden Besatzer in den Familienarchiven politisch Belastendes entdecken
könnten.
Um das zu verhindern, schritt man zur Tat: Auf vielen Höfen wurden die Dokumente aus der
Zeit des Dritten Reiches, teilweise sogar das gesamte Familienarchiv, unwiederbringlich dem
Feuer übergeben. „Da loderten überall Feuer in den Gärten - und das im Mai,“ erinnern ...
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Zeitgeschichte
im Heidedorf Schwalingen
1929-1945
Schwalinger in der NSDAP
Ihre Erziehung und politische Einstellung im gerade untergegangenen Deutschen
Kaiserreich lebte auch in 1920er Jahren im Denken und Handeln der Menschen in den
Dörfern unserer Gegend weiter fort. Sie waren und blieben "Hannoveraner", Welfen. Ihre
politische Heimat war die Deutsch-Hannoversche Partei DHP. In ihr vereint sich die breite
Opposition gegen die preußische Annexion des Königreichs Hannover nach dem verlorenen
Krieg 1866. Wichtigstes politische Ziel ist die Wiederherstellung des Königreiches Hannover .
1924 bereitet die DHP auf der Grundlage ermunternder Wahlergebnisse bei der
Reichstagswahl im selben Jahr eine Volksabstimmung vor. Sie hat kein geringeres Ziel als
die Ausgliederung der Provinz Hannover aus dem Freistaat Preußen und die
Wiederherstellung Hannovers als eigenständigen Staat im Deutschen Reich. Schon die
Vorabstimmung zur Volksabstimmung scheitert und läutet den langsamen Niedergang der
DHP als Partei in der Provinz Hannover ein.
In Schwalingen und den umliegenden Dörfern bleiben die Wähler ...
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1929-1945
Wer in Schwalingen war Mitglied der NSDAP ?
In vielen Jahren lokaler Forschung sind nur sehr wenige Personen in Schwalingen bekannt
geworden, die im Laufe ihres Lebens Mitglied der NSDAP waren. Der Eindruck entstand,
dass offenbar die Menschen im Dorf damals nicht oder kaum voneinander wussten, wie sie
tatsächlich zur NS-Diktatur eingestellt waren, ob sie vielleicht sogar als Parteigenossen Teil
der Bewegung waren. Das mag und wird im geschützten Rahmen innerhalb der Familien
anders gewesen sein, wurde aber wohl bewusst nicht nach außen getragen. Nach dem Ende
der NS-Diktatur wurde dieses begrenzte Wissen und Ahnen weiter zum Selbstschutz im
Verborgenen gehalten und ging so schließlich mit dem Tod der damaligen Zeitgenossen nun
schon vor Jahrzehnten unter.
Personen aus unserer Gegend, von denen ihre Mitgliedschaft bekannt ist, waren meist
Funktionsträger in der Partei, denen das öffentliche Interesse galt. Ihre biografischen Daten
wurden teilweise auch durch ihre "Entnazifizierungsverfahren" öffentlich. Soweit bisher
bekannt, sind Schwalinger Einwohner nicht darunter.
Einen objektiven, belastbaren, authentischen Einblick in Entwicklung und Struktur der
NSDAP-Mitgliedschaften auf lokaler Ebene, und so auch für das Heidedorf Schwalingen,
erlaubt...
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1933-1945
Widerstand und NS-Opfer in Schwalingen
Nach der Machtergreifung 1933 ging die neue NS-Regierung mit hohem Tempo daran, die
deutsche Gesellschaft ihren ideologischen Vorstellungen gemäß umzuformen und
gleichzuschalten. Sie griff mit Gesetzen, Vorschriften und Regelungen in alle
Lebensbereiche der Menschen in Stadt und Land verändernd ein. Immer nahm sie dabei für
sich in Anspruch, es zum Besten des deutschen Volkes zu tun, zum Besten der deutschen
Volksgemeinschaft, dessen verdientes Wohl ihr oberstes Ziel sei. Das alles mit einer
Geschwindigkeit begleitet von großer und durch das Radio nun allgegenwärtiger
Sprachgewalt, wobei den Menschen kaum Raum und Zeit blieb, ihre eigenen Vorstellungen
weiter zu entwickeln.
Was auch zu dieser Entwicklung gehörte, war ein immer dichter werdendes Netz der
Überwachung und Kontrolle der Menschen durch die Institutionen des NS-Regimes.
Begleitet von der Androhung, jederzeit...
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